Der Viltrox EPIC Satz mit fünf Brennweiten und PL-Anschluss dient in diesem Beitrag als Beispiel für einen Satz anamorphotischer Cine-Objektive. Die Fachpresse beurteilt den Preis zwiespältig: CineD nennt ihn für ein Kino-Objektiv sehr aggressiv, hält im selben Test aber fest, dass die Objektive trotzdem teuer bleiben. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wofür Sie bezahlen und für wen sich das lohnt.
Was ein anamorphotisches Cine-Objektiv anders macht
Ein normales Objektiv bildet in der Breite und in der Höhe gleich ab. Ein Anamorphot enthält zusätzlich Zylinderlinsen. Sie stauchen das Bild nur in einer Richtung, sodass ein breiteres Bildfeld auf den Sensor passt. Bei der Wiedergabe wird das Bild wieder entzerrt. Cooke beschreibt für seine Anamorphic/i Serie ein hybrides Design aus sphärischen und zylindrischen Linsenelementen, das elliptisches Bokeh erzeugt, also die typisch ovalen Unschärfescheiben.

Beim Viltrox EPIC beträgt die Stauchung 1.33x. Das ist ein schwacher Wert, der aber für Kameras mit gängigem Videoformat genau passt: CineD hält fest, dass man die gesamte Sensorinformation nutzt und das Kinobreitbild nicht aus dem Bild herausschneiden muss. Der Satz im Shop umfasst die Brennweiten 25, 35, 50, 75 und 100 mm, jeweils mit durchgehender Lichtstärke T2.0.
Bilder: Viltrox 25 35 50 75 100 T2.0 1.33 X PL PL Mount, Objektiv Set (12)
Woher der Preis kommt: Optik und Mechanik
Cooke schreibt über die eigene Anamorphot-Reihe, solche Objektive seien aufwendig herzustellen, weshalb bei der Fertigung zusätzliche Messungen nötig seien. Die Zylinderlinsen müssen exakt zu den runden Linsen passen, und jedes Element muss in der Fassung sauber ausgerichtet sein. Laut Cooke dienen diese zusätzlichen Messungen dazu, die Qualität jedes einzelnen Objektivs abzusichern.

Zur aufwendigen Optik kommen Anforderungen, die ein Foto-Objektiv kaum kennt. Die Stauchung soll über den ganzen Schärfebereich gleich bleiben, und beim Scharfstellen darf sich der Bildwinkel kaum ändern. Viltrox verspricht eine konstante Stauchung von der Nähe bis in die Ferne, und CineD fand das sogenannte Focus Breathing im Test kaum wahrnehmbar.
Viltrox setzt auf eine schwache Stauchung. Newsshooter hält fest: Eine schwache Stauchung ist leichter zu konstruieren als eine starke und verlangt weniger optische Kompromisse. Preislich liegt die Serie laut CineD zwischen den günstigen Anamorphoten und der Mittelklasse.
T-Blende statt f-Blende
Foto-Objektive geben ihre Öffnung als f-Wert an. Dieser Wert ist rechnerisch aus Brennweite und Blendendurchmesser abgeleitet und berücksichtigt nicht, wie viel Licht im Glas verloren geht. Cine-Objektive werden stattdessen mit der T-Blende beschriftet, dem Lichtdurchlass, der diese Verluste einrechnet. Dadurch belichten zwei Objektive mit demselben T-Wert gleich hell. Das ist beim Wechsel der Brennweite am Set wichtig, weil die Belichtung nicht neu angepasst werden muss.
Der Viltrox Satz ist durchgehend auf T2.0 ausgelegt. Die Blende besteht aus acht Lamellen für ein weiches Bokeh. CineD empfiehlt im Test, die Blende ein wenig zu schliessen, weil die volle Öffnung leicht weich zeichnet.
PL-Mount, Zahnkränze und der Satz als Einheit
Der PL-Anschluss stammt aus der Filmwelt. Das Auflagemass des PL-Anschlusses beträgt laut ARRI 52 mm. Der Hersteller Atlas schreibt über seine Orion-Anamorphoten, sie folgten den PL-Vorgaben von ARRI und liessen damit auch den rotierenden Spiegelverschluss von Filmkameras zu. Für Sie bedeutet das: Die Objektive passen direkt an Cine-Kameras. An spiegellosen Foto-Kameras gelingt der Einsatz über Adapter, weil dort das Auflagemass kürzer ist. CineD sieht darin bei diesem Satz kein Hindernis.

Auf den Objektiven sitzen ausserdem Zahnkränze für die Schärfeführung. Der Schärfezieher (Follow Focus) greift in diese Zähne und dreht den Ring präzise. Beim Viltrox beträgt die Teilung der Zahnkränze 0.8, also das gängige Mass. Der Fokusring dreht sich um 290 Grad, ein langer Weg, mit dem sich die Schärfe fein führen lässt.
Der Wert eines Satzes liegt darin, dass alle Brennweiten gleich bedient werden. Laut Viltrox haben alle Objektive denselben Charakter, dieselbe Lage der Zahnkränze und denselben Schwerpunkt. Die Länge ist dagegen nicht bei allen gleich: Laut Datenblatt sind das 25er und das 100er länger als die mittleren Brennweiten, und das 100er ist auch deutlich schwerer. Cooke gleicht bei seiner Serie ausdrücklich die Farbe ab. Bei Viltrox ist von einheitlichem Charakter die Rede. Ob auch die Farbwiedergabe abgestimmt ist, sollten Sie bei der Auswahl selbst prüfen.
| Merkmal | Foto-Objektiv | Foto-Objektiv mit Adapter an Cine-Kamera | Cine-Satz mit PL-Mount |
|---|---|---|---|
| Blendenangabe | f-Wert, rechnerisch | f-Wert, rechnerisch | T-Wert, mit Lichtverlust |
| Zahnkränze für Schärfezieher | meist nicht vorhanden | meist nicht vorhanden | vorhanden, einheitlich im Satz |
| Bildformat | sphärisch | sphärisch | anamorphotisch |
| Anschluss an Cine-Kamera | nur mit Adapter | Adapter nötig | direkt |
| Wechsel der Brennweite am Set | Ringe und Schwerpunkt verschieden | Ringe und Schwerpunkt verschieden | gleiche Bedienung im Satz |
Für wen sich ein Anamorphoten-Satz lohnt
CineD ordnet die Serie so ein: Für Verleihhäuser sei sie wegen der schwachen Stauchung eher nicht gedacht. Die Bildqualität sei sehr ansprechend, aber der Preis hoch und die Stauchung genüge vielen nicht. Auch Newsshooter hält fest, dass diese Stauchung bei vielen als zu wenig anamorphotisch gilt, dass sie aber vielseitiger einsetzbar ist und weniger optische Kompromisse verlangt. Die Objektive haben den Ruf, sehr scharf und sauber zu sein. Wer einen kräftigen Anamorphot-Look sucht, sollte nach dieser Einschätzung eher zu einer stärkeren Stauchung greifen. CineD rät ausdrücklich, die Objektive vor dem Kauf selbst auszuprobieren.

- Es lohnt sich für Produktionsfirmen und Kameraleute mit PL-Kamera, die einen Satz mit einheitlicher Bedienung und einem sauberen Kinobild brauchen.
- Es lohnt sich weniger für Einsteiger mit einer einzelnen Foto-Kamera, die nur ab und zu ein breites Bild möchten. Für sie reicht oft ein einzelnes, günstigeres Objektiv.
- Es lohnt sich nicht, wenn Sie weder Schärfezieher noch Mattebox einsetzen. Dann zahlen Sie für Funktionen, die Sie nicht nutzen.
Unser Fazit: Sie bezahlen bei einem solchen Satz für drei Dinge, nämlich dem Anamorphot-Aufbau mit Zylinderlinsen, der T-Blende samt Cine-Mechanik und der Abstimmung im Satz. Wer diese drei Dinge nutzt, bekommt dafür einen Gegenwert. Wer sie nicht nutzt, zahlt für Leistung, die er nicht abruft.
Häufige Fragen
Was bedeutet 1.33x bei einem Anamorphoten?
Die Zahl nennt, wie stark das Bild in der Breite gestaucht wird. Bei 1.33x ist die Stauchung gering, dafür lässt sich das Objektiv an vielen Kameras ohne Beschnitt nutzen.
Warum haben Cine-Objektive eine T-Blende?
Der T-Wert berücksichtigt den Lichtverlust im Glas, der f-Wert wird nur gerechnet. Mit T-Werten belichten Objektive eines Satzes gleich hell, was beim Wechsel der Brennweite hilft.
Brauche ich eine Cine-Kamera für PL-Mount-Objektive?
Nein. PL-Objektive lassen sich über Adapter an spiegellosen Vollformat-Kameras nutzen. CineD sieht darin bei diesem Satz kein Hindernis.
Wozu dienen die Zahnkränze auf dem Objektiv?
Ein Schärfezieher greift in die Zähne und dreht den Ring präzise. Die Teilung ist bei diesem Satz mit 0.8 das gängige Mass.
Sind die Objektive im Satz wirklich identisch gebaut?
Nicht ganz. Laut Viltrox sind Durchmesser, Lage der Zahnkränze und Schwerpunkt angeglichen, die Länge und das Gewicht unterscheiden sich laut Datenblatt aber, besonders beim 100er.
Quellen
- CineD: VILTROX EPIC T2.0 1.33x Full-Frame Anamorphic Cine Lens Series Now Available, CineD, abgerufen am 09.10.2026
- CineD: Viltrox EPIC Anamorphic Lenses Review and Mini Documentary, CineD, abgerufen am 09.10.2026
- Newsshooter: Viltrox goes more vintage with its EPIC 1.33X anamorphic lenses, Newsshooter, abgerufen am 09.10.2026
- CineD Gear Guide: Anamorphic Lenses, CineD, abgerufen am 09.10.2026
- Cooke Anamorphic/i FF, Cooke Optics, abgerufen am 09.10.2026
- Viltrox EPIC 25mm/100mm T2.0 1.33X PL Full-Frame Anamorphic Cine Lens, Viltrox, abgerufen am 09.10.2026
- ARRI ALEXA 35, ARRI, abgerufen am 09.10.2026
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