Eine Backup-Appliance von Synology kostet ein Vielfaches eines Bürorechners. Dieser Beitrag zeigt, was bei den Modellen DP7400, DP7200 und DP5200 der Reihe ActiveProtect hinter dem Preis steckt, was sich belegen lässt und für wen sich die Investition lohnt. Wo uns eine belastbare Quelle fehlt, sagen wir das offen.
Was die drei Geräte sind
ActiveProtect ist Synologys Reihe für die Datensicherung von Unternehmen. Die Geräte sind keine allgemeinen Dateiserver, sondern Sicherungsziel und Verwaltungszentrale zugleich. Synology beschreibt das Konzept so: Die Appliance vereine zweckgebaute Speicherhardware mit leistungsfähiger Sicherungssoftware zu einer einzigen, planbaren Investition. Die Software heisst ActiveProtect Manager, kurz APM.
Die DP7400 und die DP7200 sind Rackgeräte mit zwei Höheneinheiten und einem AMD EPYC 7272. Die DP5200 ist mit einer Höheneinheit kompakter und nutzt einen Intel Xeon D-1726. Daneben führt Synology kleinere Tower-Geräte wie DP340 und DP320, die in diesem Beitrag nicht behandelt werden.
Synology DP7400 12-bay/10G AMD EPYC backup appliance41'316.83 CHF inkl. MwStverfügbarZum Produkt
Die Hardware im Vergleich
Die DP7400 hat 64 GB Arbeitsspeicher, die DP7200 32 GB. Beide lassen sich bis 512 GB ausbauen. Die Datenplatten unterscheiden sich in der Grösse: Die DP7400 trägt 10 Festplatten zu je 20 TB, die DP7200 10 Festplatten zu je 12 TB, jeweils als RAID 6 mit einer Ersatzplatte. Dazu kommt ein SSD-Paar im Spiegel (RAID 1), bei der DP7400 mit je 3840 GB, bei der DP7200 mit je 1920 GB. Wofür Synology die SSD genau nutzt, nennt die Produktseite nicht.
Die DP5200 hat 16 GB Arbeitsspeicher, ausbaubar auf 64 GB, vier Festplatten zu je 12 TB als RAID 5 und zwei M.2-SSD zu je 800 GB im Spiegel. Alle drei Modelle senden Daten über zwei 10-GbE-Anschlüsse und werden über einen eigenen 1-GbE-Anschluss verwaltet.
| Modell | Prozessor | Arbeitsspeicher | Festplatten | Empfohlene Sicherungsquelle |
|---|---|---|---|---|
| DP7400 | AMD EPYC 7272 | 64 GB | 10 x 20 TB | 83.5 TB |
| DP7200 | AMD EPYC 7272 | 32 GB | 10 x 12 TB | 56 TB |
| DP5200 | Intel Xeon D-1726 | 16 GB | 4 x 12 TB | 21.5 TB |
Die empfohlene Sicherungsquelle ist die Datenmenge, die Synology pro Gerät als sinnvoll ansieht. Der Hersteller schreibt dazu, die Werte beruhten auf Telemetriedaten und könnten je nach Nutzung abweichen. Als feste Zusage sollten Sie sie nicht lesen.
Synology DP7200 12-bay/10G AMD EPYC backup appliance32'081.30 CHF inkl. MwStauf BestellungZum Produkt
Woher der Preis kommt: Prozessor, Speicher, Platten
Der EPYC 7272 gehört zur 7002-Serie, der zweiten EPYC-Generation mit dem Kern Zen 2. Es ist ein Serverprozessor. AMD schreibt, der Speicher sei bei diesem Modell auf vier Kanäle optimiert, weitere Kanäle brächten keine zusätzliche Bandbreite.
Ein Teil der Rohkapazität geht für die Ausfallsicherheit weg. Bei der DP5200 nennt Synology bis zu 36 TB nutzbare Kapazität, obwohl vier Platten zu je 12 TB verbaut sind: Bei RAID 5 belegt eine Platte die Redundanz. Sie bezahlen also immer für mehr Plattenfläche, als Sie später beschreiben können.
Zu Entwicklungskosten, Stückzahlen und Fertigung hat Synology nach unserer Recherche nichts Belastbares veröffentlicht. Dazu machen wir deshalb keine Aussagen.
Deduplizierung: weniger speichern, mehr rechnen
Synology nennt als Kern der Effizienz zwei Verfahren. Changed Block Tracking sichert nur Datenblöcke, die sich seit der letzten Sicherung geändert haben. Die Deduplizierung entfernt doppelte Daten auf der Quell- und der Zielseite, also schon vor der Übertragung und über mehrere Appliances hinweg. Das spart Speicherplatz und Netzwerkverkehr.
Der Preis dafür ist Rechenleistung und Speicher: Wer Datenblöcke vergleichen will, muss grosse Verzeichnisse im Arbeitsspeicher und auf schnellen Datenträgern führen. Das ist eine allgemeine technische Erklärung und keine Herstellerangabe. Synology wirbt ausserdem mit einer Ersparnis von bis zu 75 % bei der Backup-Bereitstellung, nennt auf der Produktseite aber keine Vergleichsbasis. Wir können die Zahl deshalb nicht einordnen.
Unveränderlich und abgeschottet: der Schutz vor Erpressung
Ein zentraler Punkt ist der Schutz vor Verschlüsselungstrojanern. Dazu nennt Synology mehrere Funktionen: WORM-Speicher, bei dem Sicherungen nach dem Schreiben nicht mehr verändert oder gelöscht werden können, logisch abgeschottete Kopien (Air-Gap) und die Verschlüsselung ruhender Daten auf Volume-Ebene. Beim DP5200 spricht der Hersteller von der Umsetzung der Regel 3-2-1-1-0. Gemeint ist die bekannte 3-2-1-Regel, erweitert um eine unveränderliche Kopie und um null Fehler bei der Prüfung der Wiederherstellbarkeit.
Prüfen sollten Sie den Stand der KI-Funktionen. Anomalieerkennung und der Malware-Scan vor der Wiederherstellung sind auf der Produktseite als “demnächst” markiert. Die Pressemitteilungen von Synology nennen dafür unterschiedliche Versionen, zuerst APM 2.0, später APM 2.1. Kaufen Sie diese Funktionen also nicht als bereits vorhanden ein, ohne den aktuellen Stand beim Hersteller zu klären.
Zentrale Verwaltung und Lizenzmodell
Die DP7400 und die DP7200 können als zentraler Verwaltungsserver bis zu 2’500 Server oder 300’000 Workloads in einer Oberfläche überwachen, die DP5200 bis zu 1’000 Server oder 120’000 Workloads. Als Workload gelten etwa virtuelle Maschinen, Server, PCs, Datenbanken oder Microsoft 365. Wichtig ist das für Firmen mit vielen Standorten und für Dienstleister, die Sicherungen für mehrere Kunden betreiben.
Beim Lizenzmodell gibt Synology an, dass alle Funktionen ohne teure Upgrades, besondere Editionen oder zusätzliche Lizenzen nutzbar seien. Auch APM 2.0 sei für alle Geräte der DP-Serie ohne Zusatzkosten verfügbar. Klären Sie vor dem Kauf trotzdem, was Garantie, Support und Erweiterungsmodule beinhalten, denn dazu enthalten die von uns geprüften Herstellerseiten keine Angaben.
Synology DP5200 4-bay/10G Xeon D-1726 backup appliance15'629.64 CHF inkl. MwStverfügbarZum Produkt
Vergleich: NAS mit Backup-Software
Synology bietet auf seinen NAS-Geräten die Software Active Backup for Business. Sie bringt ebenfalls globale Deduplizierung und Changed Block Tracking mit und sichert PCs, Server und virtuelle Maschinen. Für viele kleine Betriebe reicht das. Die Appliance bietet darüber hinaus:
- ein Gerät, das nur für Sicherungen ausgelegt ist und mit abgestimmter Software ausgeliefert wird,
- eine zentrale Verwaltung über viele Standorte und Workloads,
- die Schutzfunktionen gegen Erpressungsangriffe in einem Paket.
Ob ein NAS ähnliche Schutzfunktionen bietet, hängt von Modell und Softwarestand ab. Das haben wir nicht für jedes Modell geprüft. Laut Hersteller unterstützt ActiveProtect Vault inzwischen mehr Synology-NAS-Modelle als Ziel für abgesetzte Sicherungskopien. Ein vorhandenes NAS lässt sich damit teils als zweiter Standort einbinden.
Für wen es sich lohnt
Eine Appliance lohnt sich, wenn mindestens eine dieser Bedingungen zutrifft: Sie sichern viele Server oder Standorte, Sie brauchen nachweislich unveränderliche Sicherungen für Versicherer oder Revision, oder Sie betreiben Backups als Dienstleistung. Die DP5200 zielt laut Synology auf wachsende Organisationen und Aussenstellen, die beiden grösseren Modelle sind für grössere Datenmengen ausgelegt. Für ein Büro mit wenigen Arbeitsplätzen und einem Server ist die Anschaffung meist überdimensioniert. Dort genügt oft ein NAS mit Backup-Software, ergänzt um eine Kopie ausser Haus.
Beachten Sie: Wir haben die Geräte nicht selbst gemessen. Alle technischen Angaben stammen aus Herstellerquellen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen DP7400 und DP7200?
Beide nutzen denselben Prozessor. Die DP7400 hat mehr Arbeitsspeicher (64 GB statt 32 GB), grössere Festplatten (20 TB statt 12 TB) und eine höhere empfohlene Sicherungsquelle (83.5 TB statt 56 TB).
Was bedeutet WORM bei Sicherungen?
WORM steht für einmal schreiben, mehrfach lesen. Eine so geschützte Sicherung kann nach dem Schreiben nicht mehr geändert oder gelöscht werden.
Brauche ich für die Funktionen zusätzliche Lizenzen?
Laut Synology nicht: Alle Funktionen seien ohne zusätzliche Lizenzen nutzbar. Fragen Sie trotzdem nach Garantie und Support, denn dazu fehlen auf den von uns geprüften Herstellerseiten Angaben.
Reicht ein NAS mit Backup-Software nicht aus?
Für kleine Umgebungen oft ja. Eine Appliance lohnt sich vor allem bei vielen Workloads, mehreren Standorten oder strengen Anforderungen an unveränderliche Sicherungen.
Welche Datenmenge schafft die DP5200?
Synology empfiehlt eine Sicherungsquelle von 21.5 TB. Als zentraler Verwaltungsserver kann sie bis zu 1'000 Server oder 120'000 Workloads überwachen.
Quellen
- ActiveProtect-Appliance, Funktionen und Spezifikationen (DP7400, DP7200, DP5200), Synology Inc., abgerufen am 09.10.2026
- Synology launches DP5200, a compact 1U ActiveProtect data protection appliance, Synology Inc., abgerufen am 09.10.2026
- Synology advances enterprise cyber-resiliency with ActiveProtect Manager 2.0, Synology Inc., abgerufen am 09.10.2026
- Synology Elevates Enterprise Data Resiliency with ActiveProtect Manager 1.2, Synology Inc., abgerufen am 09.10.2026
- Synology launches ActiveProtect Manager 2.0, Synology Inc., abgerufen am 09.10.2026
- AMD EPYC 7002 Series Processors, AMD, abgerufen am 09.10.2026
- Active Backup for Business, Synology Inc., abgerufen am 09.10.2026
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